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Tonys Reiseblog

Die Geschichte von Wales


Keltisches Erbe:

Um in die Geschichte von Wales einzusteigen, startet man am besten mit den Kelten. Denn die Kelten sind noch heute die Basis der Kultur und Sprache von Wales.

Es gibt heute sechs Regionen, die als keltische Nationen bezeichnet werden. Dazu gehören:
die Bretagne (in Frankreich, die einzige Region auf dem europäischen Festland)
Irland (und zwar ganz Irland: Die Republik Irland und Nordirland)
Schottland (in Großbritannien)
die Isle of Man (Insel in der Irischen See)
Cornwall (Grafschaft im Südwesten Englands)
Wales (in Großbritannien)

Diese sechs traditionellen keltischen Regionen, die sich im Nordwesten Europas befinden, sind durch ihre gemeinsame Geschichte und Kultur verbunden, sowie durch ihre keltischen Sprachen:
Breizh (die Bretagne): Die bretonische Sprache, ist eng mit dem Walisischen verwandt.
Éire (Irland): Neben Englisch ist Irisch (Gälisch) die offizielle Landessprache.
Alba (Schottland): Hier wird das Schottisch-Gälische gesprochen.
Mannin (die Isle of Man): Hier wird das Manx-Gälische gesprochen.
Kernow (Cornwall): Die eigene, wiederbelebte keltische Sprache ist hier das Kornische.
Cymru (Wales): Cymraeg (Walisisch) ist die meistgesprochene keltische Sprache.

Obwohl die sechs Regionen heutzutage verschiedenen modernen Staaten angehören, pflegen sie ihr keltisches Erbe, z.B. durch Musik, Feste und den Schutz ihrer alten Sprachen.
Cymraeg ist der landeseigene Name der Sprache Walisisch, und ist eine der lebendigsten keltischen Sprachen. Sie wird heute von einem großen Teil der Bevölkerung gesprochen.

Zeittafel


Vor 230.000 Jahren: Die Neandertaler

Bevor wir zu den Kelten kommen, befinden wir uns erst einmal bei einer anderen Gruppe von Menschen, die in Wales beheimatet waren: Die Neandertaler.

Hierzu erst einmal ein kleiner Ausblick, von welcher Zeit wir hier sprechen:
Die Reise beginnt im Paläolithikum (der Altsteinzeit). Dies ist die erste und längste Epoche der Menschheitsgeschichte: Der Zeitraum beginnt vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren und und endete vor rund 10.000 v. Chr. am Ende der letzten Eiszeit. Die Menschen lebten in dieser Zeit als nomadisierende Jäger und Sammler. Das Zeitalter beginnt bereits mit den ersten Steinwerkzeugen. So weit, so gut. Doch wann beginnt die (dokumentierte) Menschheitsgeschichte in Wales?

Bei St Asaph in Denbighshire, Nordwales befindet sich die Pontnewydd-Höhle. Und diese brachte einige interessante Erkenntnisse. Denn dort wurden die ältesten menschlichen Überreste in Wales gefunden: Der Kieferknochen und die Zähne eines Neandertaler-Kindes. Das Alter wird auf 230.000 Jahre geschätzt.
Mit anderen Worten: Vor 230.000 Jahren hatten sich bereits Neandertaler in Wales niedergelassen. Homo neanderthalensis, so der wissenschaftliche Name, bevorzugten Wälder gegenüber Höhlen, und hatten es schon für sich erschlossen, ihre Mahlzeiten zu kochen.

In diesen Zeitrahmen fällt noch ein Fund: Dieses Mal führt es uns zur Gower-Halbinsel an der Südküste von Wales, und nur ca. 31.000 v. Chr. zurück. Hier wurde die »Rote Dame von Paviland« gefunden. Paviland wird dabei der Fundort genannt.
Das in einer Höhle zu findende älteste rituelle menschliche Grab Westeuropas beherbergte die zu einem jungen Mann gehörenden Knochen, die durch roten Ocker eingefärbt worden waren. Die Bestattungsrituale, zu denen auch Grabbeilagen in Form von Perlen und Elfenbein-Schmuck gehöten, führten auch zu dem Mißverständnis, es würde sich bei der Person um eine Frau handeln (daher der irreführende Name).
Er zählte zu den Cro-Magnon-Menschen, die während der letzten Kaltzeit vor ca. 45.000 bis 12.000 Jahren lebten und die direkten Vorfahren des heutigen Menschen sind.


Vor ca. 12.000 Jahren: Die Mesolithiker

Erst nach dem Ende der letzten großen Eiszeit, als die unwirtliche Kälteperiode vorbei war, besiedelten Jäger und Sammler Wales dauerhaft. Dies begann im Mesolithikum, über das Neolithikum (siehe unten) bis hin zur Bronzezeit (siehe unten). Der Zeitraum umfaßt in etwa 8.000 bis 800 v. Chr.
Beim Mesolithikum (der Mittelsteinzeit) sprechen wir von einem Zeitraum von 10.000 bis 5.500 v. Chr.

Dieses Mal führt es uns nach Pembrokeshire im Südwesten von Wales, zu der archäologische Fundstätte The Nab Head. Hier fand man Tausende von Steinwerkzeuge, z.B. Bohrer, Schaber und Mikrolithen (hierbei handelt es sich um sehr kleines, steinzeitliches Werkzeug (Klingen oder Spitzen); der Begriff kommt vom griechischen mikros für klein und lithos für Stein). Außerdem fand über 700 durchbohrte Schieferperlen. Mit anderen Worten: Hier hielten sich um 8.500 v. Chr. Mesolithiker auf.


Vor ca. 12.000 Jahren: Die Neolithiker

Zunächst einmal müssen wir zum besseren Verständnis das Neolithikum (die Jungsteinzeit) etwas näher beleuchten, denn diese Epoche begann nicht überall auf der Welt zur gleichen Zeit. Im vorderen Orient begann sie um 9500 v. Chr. In Mitteleuropa begann sie durch Einwanderer ungefähr ab 5500 v. Chr. Sie endete um 2.200 v. Chr. mit dem Übergang in die Bronzezeit. Und in Wales dauerte sie von circa 4.000 bis 2.000 v. Chr.

In ideser Zeit wandelte sich das Leben in Wales. Die Menschen wurden sesshaft. Sie lebten nicht mehr nur vom Jagen und Sammeln, sondern bauten Weizen und Gerste an, hielten Haustiere wie Schafe und Ziegen rodeten Wälder für Felder und betrieben Ackerbau.
Unter anderem für die Rodung der Wälder wurden in dieser Epoche kunstvoll polierte Steinäxte verwendet. Viele dieser Äxte wurden über weite Strecken gehandelt. Axt-Klingen aus walisischem Stein wurden bis weit nach England und Schottland transportiert.
Der Stein stammte zum Beispiel aus den Steinbrüchen aus den Preseli-Bergen, den Mynydd Preseli oder Y Preselau auf walisisch, einer Hügelkette im Norden von Pembrokeshire. Von hier kamen auch die sogenannten Bluestones (Blausteine) von Stonehenge; dabei handelt es sich um kleinere Findlinge, die hauptsächlich aus Dolerit, Rhyolith und vulkanischer Asche bestehen.

Aus dieser Zeit sind auch die monumentalen Steingräber. Die Menschen wurden nicht einfach nur bestattet. Statt dessen baute man aus gewaltigen, unbearbeiteten Steinen aufwendige Gemeinschaftsgräber, die Megalithgräber.
Ein Beispiel hierfür ist das neolithische Ganggrab nahe Llanddaniel Fab im Süden der im Norden gelegenen Insel Anglesey, welches den Namen Bryn Celli Ddu (»der Grabhügel im dunklen Wald«) trägt. Ein überdachter Gang führt in eine Grabkammer. Die beeindruckende Steinkammer wurde nach astronomischen Prinzipien ausgerichtet: Am Tag der Sommersonnenwende scheint die aufgehende Sonne direkt in die Grabkammer.
Ein zweites Beispiel ist das megalithische Monument Pentre Ifan in den Preseli Hills, Pembrokeshire, das wegen seiner Höhe bekannt ist. Es bietet einen gewaltigen Anblick, da der große Deckstein auf den Spitzen einer Handvoll anderer Steine zu balancieren scheint.
Die Megalithanlagen heißen keltisch Cromlech, und es sind heute noch rund 250 davon in Wales erhalten.


Ab 2300 v. Chr.: Die Bronzezeit

Noch einmal verändertre sich das Leben in Wales. Ab circa 2.000 v. Chr. wurden die Toten in individuellen Gräbern statt in riesigen Gemeinschaftsgräbern bestattet. Wolle wurde gewebt, und in der Landwirtschaft rü:ckte die Viehhaltung in den Fokus. Ochsen wurden vor den Pflug gespannt.

Ein besonderer Wandel erfolgte aber durch die Metallverarbeitung. Durch die Nutzung von Kupfer und Bronze hatte man ganz andere Möglichkeiten, Werkzeuge, Waffen und Schmuck herzustellen.
Das Thema führt uns im Norden in die Richtung von Llandudno, Conwy. Nordwestlich gelegen befindet sich eine spektakuläre Landzunge aus Kalkstein mit dem Namen Great Orme (Y Gogarth). Hirbei handelt es sich um einen 3 Kilometer langen 2 Kilometer breiten und am Gipfel 207 Meter hohen Berg direkt an der Irischen See. Und hierbei handelt es sich wohl um das weltweit größte bekannte prähistorische Kupferbergwerk. Rund 1.800 Tonnen Kupfer wurden hier seit circa 2000 v. Chr. mit einfachen Steinwerkzeugen abgebaut. Mit Zinn aus Cornwall gemischt, wurde aus dem Kupfer haltbare Bronze hergestellt.

Darüber hinaus wurde 1833 in einem Hügelgrab in der Nähe von Mold (Yr Wyddgrug) in Flintshire im Norden von Wales der Goldmantel von Mold (Clogyn Aur yr Wyddgrug) entdeckt. Es handelt sich bei dem goldenen Umhang um ein Fundstück aus der frühen Bronzezeit (etwa 1900–1600 v. Chr.) und ist eines der bedeutendsten prähistorischen Goldstücke Europas.


Ab 800 v. Chr.: Die Kelten

Etwa 800 v. Chr. begann in dem heutigen Wales die Eisenzeit. Ab dieser Zeit wanderten keltische Kulturen ein. Die Kelten waren während der britischen Eisenzeit bis ca. 100 n. Chr. die vorherrschende Macht – noch vor der Ankunft der Römer. Die keltische Stämme lebten hier, bevor Wales entstand.
Dabei unterscheiden sich zum einen die keltischen Briten, die in Wales, Cornwall und Devon lebten, und die Gälen, also den irischen und schottischen Kelten und denen, die auf der Isle of Man beheimateten waren.

Überhaupt waren die Kelten kein einzelnes Volk. Sie bestanden aus vielen verschiedenen Stämmen mit einer gemeinsamen Kultur, der auch eine ähnliche Sprache zugrund lag.
Als die Kelten nach Großbritannien wanderten, vermischten sich die hervorragende Bauern, begabten Handwerker und gefürchteten Krieger mit dort bereits ansässigen Menschen. Ihre keltische Sprache bildet die Basis für das heutige Walisische (Cymraeg).
Die walisische Sprache ist somit älter als das Englische. Das Altenglisch entwickelte sich mit der Ankunft der Angeln, Sachsen und Jüten aus drei verwandten Sprachen aus Dänemark und Norddeutschland.

Vier keltische Hauptstämme lebten in Wales.
Die Deceangli Sie lebten im Nordosten, ihr Siedlungsgebiet war im heutigen Flintshire, Denbighshire und Teilen von Cheshire.
Die Ordovices Sie lebten im Norden und in der Mitte von Wales.
Die Demetae Sie lebten im Südwesten. Ihr Siedlungsgebiet umfaßte die heutigen Grafschaften Pembrokeshire und Carmarthenshire.
Die Silures Sie lebten im Südosten.

Zu dieser Zeit existierte das Gröbritannien, wie wir es heute kennen, noch nicht.

Ein weiteres Merkmal neben der Eisenverarbeitung und beeindruckenden keltischen Kunst waren in dieser Zeit war der Bau von Wallanlagen: Die Burgen, die auf Hügeln errichtet wurden. Die befestigten Höhensiedlungen werden Hillforts genannt. Von ihnen gibt es noch immer über 600 in Wales.


47 n. Chr.: Die Römer

Die römische Besatzung begann im Jahr 48 n. Chr. und endete 383 n. Chr. Die römische Eroberung von Wales war eine rein militärische Operation, anders als in anderen Teilen Britanniens. Die Römer eroberten Wales und beuteten die dortigen Goldminen aus. Die zwei dominierenden Stämme der Ordovices und Silures verteidigten Wales erbittert, allerdings erfolglos.
Im Jahr 383 n. Chr. beendete der römische Kaiser Magnus Maximus die römische Besatzung, indem er seine Truppen aus West- und Nordbritannien abzog.

Zwei historische Orte stehen in Verbindung mit den Demetae: Moridunum ist das heutige Carmarthen und als Hauptort der Demetae. Mit den historischen Goldminen von Dolaucothi wird der Ort Luentinum in Verbindung gebracht. Und hier kommen bereits die germanischen Stämme aus dem Osten, wie beispielsweise die Angeln und die Sachsen, in's Spiel. Denn als diese in das Land einfielen, übernahmen sie nach und nach die Kontrolle über Ost- und Südbritannien. Die dadurch entstandene Belastung der militärischen Ressourcen des Reiches war der Grund für den römischen Rückzug.


400 n. Chr.: Die keltischen Königreiche

Nachdem die Römer um das Jahr 400 n. Chr. abgezogen waren, wurde ein Großteil des Tieflandes Britanniens im Osten und Südosten von den sogenannten Angelsachsen überrannt.

Während im Osten von Britannien die germanischen Stämme vorherrschten, zogen sich die keltischen Waliser in die Berge und Täler im Westen zurück. In Wales entstanden viele kleine, eigenständige, keltische Königreiche. Um 500 n. Chr. hatte sich das Gebiet des späteren Wales in mehrere Königreiche aufgespalten, die nicht mehr unter angelsächsischer Herrschaft standen. Die größten von ihnen waren Gwynedd im Nordwesten von Wales und Powys im Osten/Nordosten.

Einige walisische Königreiche:
• Gwynedd
• Powys
• Dyfed
• Ceredigion
• Glywysing (später Morgannwg)
• Gwent
• Brycheiniog
• Ergyng

Gwynedd war im 6. und 7. Jahrhundert das mächtigste dieser Königreiche. Die Demetae gaben dem Königreich Dyfed seinen Namen. Das frühmittelalterliche Fürstentum im Südwesten von Wales entstand im 5. Jahrhundert nach dem Abzug der R&öuml;mer und ging aus dem keltischen Stamm der Demetae hervor.

Im 11. Jahrhundert gelang es dem Herrscher Gruffydd ap Llywelyn erstmals, weite Teile der walisischen Stämme zu vereinen.


1066: Die Normannen

Herzog Wilhelm II. der Normandie begann mit der Invasion des Königreichs England im Jahr 1066 die normannische Eroberung Englands. Nach der Eroberung Englands versuchten die Normannen, auch Wales zu unterwerfen. Dies gelang jedoch nie vollständig.


1276: König Eduard I. von England

Zwischen 1276 und 1283 eroberte König Eduard I. von England die walisischen Fürstentümer. Er ließ einen mächtigen Ring aus Steinburgen (wie zum Beispiel Caernarfon Castle) errichten und führte englisches Recht ein, um die Kontrolle zu sichern und walisische Aufstände zu verhindern. Seitdem trägt der englische Thronfolger den Titel »Prince of Wales«.


1536–1542: Laws in Wales Acts

Im Mittelalter eroberten Angelsächsische Könige einen Teil des heutigen Wales. Im Jahr 1536 folgte dann ein Vereinigungsgesetz unter dem englischen König Heinrich VIII., den »Act of Union« womit Wales rechtlich an das Königreich England gebunden wurde. Seit den Laws in Wales Acts gehört Wales staatsrechtlich zu England und wird rechtlich vollständig in das Königreich England eingegliedert. Ab diesem Zeitpunkt war Wales kein unabhängiges Fürstentum mehr, sondern offiziell ein Teil von England. Dies gipfelte darin, daß Heinrich VIII. bestimmte, daß ein Amt nur von jemandem ausgeübtr werden kann, wenn er Englisch und nicht Walisisch spricht.


1999: Government of Wales Act

Eigenständigkeit erhielt Wales im 20. und 21. Jahrhundert, als es seine eigene Verwaltung zurückerhielt. Im Jahr 1999 wurde die »Nationalversammlung für Wales« (heute das walisische Parlament) geschaffen. Aufgrund der Dezentralisierung erhält Wales durch das »Government of Wales Act« mit dem eigenen walisischen Parlament (Senedd Cymru), welches Mitspracherecht bei lokalen Themen hat, in Cardiff wieder weitreichende Autonomierechte für eigene politische Entscheidungen.
Heute ist Wales ein gleichberechtigtes Land innerhalb des Vereinigten Königreichs (wenngleich der Drache noch nicht auf der Flagge ist).


Das heutige Wales

Die Geschichte von Wales findet ihren Ursprung in den keltischen Wurzeln, überstand die römische Besatzung, und kämpfte um Unabhängigkeit gegen die Engländer. Wales bewahrt sich bis heute eine lebendige keltische Identität, da die Region nie von den Angelsachsen erobert wurde. Walisisch (Cymraeg) ist eine der ältesten lebenden keltischen Sprachen Europas. Zu den historische Stätten gehört u.a. die Insel Anglesey im Nordwesten. Sie galt in der Antike als wichtiges Zentrum und spiritueller Zufluchtsort für keltische Druiden.

Übrigens: 1955 wurde Cardiff offiziell zur Hauptstadt von Wales ernannt.


Quellen:

The history of wales summarised or from mammoths to mining

Prehistoric Wales

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